Fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen. Nach einer Idee von Mitch Albom.

Fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen. Nach einer Idee von Mitch Albom.

Fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen.
Nach einer Idee von Mitch Albom.

Eddie stirbt auf seiner Arbeitsstelle bei dem Versuch, ein Mädchen vor einer herunterstürzenden Gondel zu retten. Es ist sein 83. Geburtstag. Bevor seine Seele himmlischen Frieden findet, begegnet er im Himmel fünf Menschen, die eine Botschaft für ihn haben. „Lektion“ nennt es Mitch Albom. Mitch Albom hat diesen Roman für all diejenigen geschrieben, die sich auf Erden für bedeutungslos halten und sich nicht geliebt fühlen. Er möchte ihnen zeigen, wie wichtig sie sind.

Deshalb erhält Eddie diese fünf „Lektionen“:

  • 1. Du kannst nicht wissen, was dein Handeln bewirkt. Weder im positiven noch negativen Sinne. Als Kind geht eine Situation für Eddie gut aus, während ein anderer Mensch dafür sein Leben lässt, ohne das Eddie dies bewusst wird.
    Wir sind eins. Wir sind nicht getrennt voneinander.
  • 2. Du kannst nicht wissen, welchen Sinn „dein Gestern“ hatte. Wir bringen Opfer. Kleine und große. Und manchmal opfern wir sogar unser Leben. Auch hier geht es wieder darum zu erkennen, dass wir eins sind. Unser Opfer ist nicht vergebens. Das, was wir scheinbar verlieren, bereichert jemand anderen.
  • 3. Vergib. Damit dich der Zorn und der Hass nicht zerfressen können. Denn das Leid, das wir anderen zufügen, fügen wir uns selber zu.
  • 4. Die Liebe endet nicht mit dem Tod. Sie lebt in der Erinnerung weiter.
  • 5. Auch wenn wir es vielleicht nicht verstehen und uns etwas anderes wünschen oder gewünscht haben: An den Ort, an den wir gestellt worden sind, gehören wir. Hier liegt unsere Lebensaufgabe, der Sinn und Zweck unseres Lebens. Mit anderen Worten: Als Zahnrädchen in einem großen Uhrwerk dürfen wir an dieser Stelle auf keinen Fall fehlen.

Über den Horizont hinaussehen

Ich habe mich lange gefragt, ob ich das Buch als Empfehlung so „stehen“ lasse oder ob ich es für den Einstieg in tiefergehendes spirituelles Wissen nutze. Wie die nachfolgenden Zeilen zeigen, habe ich mich entschieden, die Chance zu nutzen.

Lektion 1

Wir sind eins. Wir sind nicht getrennt voneinander.

Du kannst nicht wissen, was dein Handeln bewirkt. Weder im positiven noch negativen Sinne. Als Kind geht eine Situation für Eddie gut aus, während ein anderer Mensch dafür sein Leben lässt, ohne das Eddie dies bewusst wird.

Die Situation, die Mitch Albom schildert, ist eine ganz alltägliche. So wie sie uns jeden Tag passieren könnte. Und deren Brisanz wir gar nicht erkennen würden. Ein Junge rettet seinen Ball. Der Fahrer, der rechtzeitig bremst, dessen Leben. Doch der Schock, den der Fahrer erleidet, hat Folgen, an deren Ende ein Herzinfarkt sein Leben beendet.

Puh, gerade nochmal gut gegangen!

Wie oft denke ich: „Puh, gerade nochmal gut gegangen!“ Für mich. Doch wenn noch andere Personen beteiligt gewesen sind – was weiß ich über sie? Ist es für sie auch gut ausgegangen?!

Wir sind eins. Wir sind nicht voneinander getrennt. Ein hochspiritueller Ansatz, wonach wir alle derselben (göttlichen) Quelle entstammen und lediglich eine bestimmte Form annehmen. Warum? Und mit welchen Konsequenzen? Weil das Göttliche sich selbst erfahren will und die entsprechenden Formen erschafft. Mit der Konsequenz, dass wir nicht nur zusammengehören, sondern uns gegenseitig auch als „Gegenspieler“ brauchen. Warum? Um uns weiterzuentwickeln. Deswegen sind wir hier. Und Formen? Du bist eine „Form“, ich bin eine „Form“. Jeder hat ist eine „Form“ der göttlichen Quelle. Statt Form könnten wir auch Ausprägung sagen. Wobei jede Form, jede Ausprägung einzigartig ist.

Wer noch tiefer einsteigen möchte, geht „ins Eingemachte“. Alle anderen nehmen gerne direkten Weg zu Lektion 2.

Lektion 2
Dein Leben hat einen Sinn.

Auch wenn es dir nicht bewusst ist und du daran zweifelst. Entsprechend der Lektion 1 kannst du dir der Sinn auch nicht immer bewusst sein. Doch wie du in Lektion 5 noch sehen wirst, kannst du darauf vertrauen, dass du an dem Platz, an dem du jetzt bist, gebraucht wirst.

Ich höre oft die Frage: „Wissen Sie noch, Sie haben mal zu mir gesagt…“. Ein Nebensatz in meinen Ausführungen hatte für mein Gegenüber weit mehr Bedeutung, als ich ihm zugemessen habe. Ein Nebensatz, dem ich keine große Bedeutung zugemessen habe, hat den Grundstein für eine Veränderung gelegt. Was immer ich auch sage und tue, ich kann mir nie sicher sein, welche Bedeutung meine Worte und mein Handeln für einen anderen Menschen habe. Das gilt im positiven wie im negativen Sinne.

Kleine und große „Opfer“ bringen.

Ebenso haben unsere kleinen und großen „Opfer“ ihren Sinn. Nichts geht verloren. Das Opfer, dass ich bringe, bereichert jemand anderen. Das kann im Kleinen beginnen, wenn ich jemandem den Vortritt lasse oder auf etwas verzichte, und mit dem eigenen Leben enden. Mütter, die ihre Kinder schützen, Retter, die Leben retten und ihres lassen. Durch ihr Opfer leben andere weiter.

Vor dem Umkehrschluss sollten wir uns allerdings hüten: Wir müssen kein Opfer leisten, damit unser Leben einen Sinn hat! Vermutlich wird kein Mensch umhinkommen, Opfer zu leisten. Doch diese Aufgaben kommen ganz von selbst auf uns zu. Wir müssen sie nicht konstruieren.

Lektion 3
Vergebung

Eine große Herausforderung für unser Ego, das uns schützen möchte und nach Gerechtigkeit und Ausgleich trachtet. Dem Ego geht es nicht nur darum, dass entstandener Schaden ersetzt wird. Dem Ego geht es um Strafe. Strafe, die den Täter ebenso leiden lässt, wie es das Opfer getan hat oder immer noch tut oder die ihm nahe stehenden Personen.

Loslassen

Vergebung bedeutet loszulassen. Zu akzeptieren, dass wir etwas unwiderruflich verloren haben. Dass wir ohnmächtig waren und ohnmächtig sind und unsere Wut nicht ausleben können. Stattdessen sind wir voller Schmerz und ohne Hoffnung auf Trost.

Es gibt Menschen, denen es gelingt, dem Mörder ihres Kindes zu verzeihen. Oder ihren eigenen Peinigern. Sie schaffen es, die zerstörerischen Gedanken des Egos hinter sich zu lassen und in ihr Herz zu gehen. Dein Aufschrei entspringt deinem empörten Ego. Verständlich. Doch belaste dich an dieser Stelle nicht. Diese Menschen haben die Meisterschaft der Vergebung erlangt.

Wir sind noch nicht alle Nelson Mandela.

Wir hingegen haben diese Ebene noch nicht erreicht. Unsere Aufgaben im Bereich Vergebung sind kleiner, was nicht bedeutet, dass sie uns nicht herausfordern! Zu wachsen bedeutet stets, ein kleines Stück über die bisherigen Grenzen zu gehen. So wie Nelson Mandela, der von sich sagt, dass er im Gefängnis 32 Jahre gebraucht hat, um sich in die Lage seiner Gegner zu versetzen. Kurze Zeit später wird er freigelassen und verfolgt politisch nun das Ziel der Versöhnung.

Und so sind wir aufgefordert, in unseren Möglichkeiten zu vergeben. Denn nur so kannst du loslassen. Ansonsten bist du weiter und weiter mit etwas negativem beschäftigt und damit nicht frei, dein Leben positiv zu gestalten. Wenn du nicht vergeben kannst, schau dir an, welche Gedanken und Gefühle dies verhindern. Und versuche, sie zu deinem Wohl aufzulösen.

Lektion 4
Die Liebe lebt in der Erinnerung weiter.

Die Worte von Honoré de Balzac bringen es auf den Punkt: „Man lebt zweimal: das erste Mal in der Wirklichkeit, das zweite Mal in der Erinnerung.“

Doch für diejenigen, die zurückbleiben, ist es schwer zu ertragen, dass der geliebte Mensch „nur in das Zimmer nebenan gegangen“ ist, so wie es Henry Scott Holland ausdrückt. Denn von nun an bleibt er für uns unerreichbar.

Trost in der Dankbarkeit finden.

Und wieder sind wir bei uns selbst und haben uns mit uns selbst auseinanderzusetzen. Der Seele des geliebten Menschen geht es gut. Sie ist an den Ort zurückgekehrt, von dem sie einst gekommen ist. Dort gibt es kein Leiden. Selbst wenn der Mensch hier auf Erden „noch so viel vorhatte“ oder weit vor seiner Zeit gegangen ist. Spirituell hat er das, was für diese Inkarnation anstand, umgesetzt. Seine Mission ist erfüllt. Und so formuliert es mancher auch als Bitte in seinem Nachruf: „Wenn mir an mich denkt, seid nicht traurig. Erzählt lieber von mir und traut euch ruhig zu lachen. Lasst mir einen Platz zwischen euch, so wie ich ihn im Leben hatte.“

Zurückbleiben wir, die die Begleitung, die Nähe, das Zusammensein mit ihm so schmerzlich vermissen. Erst wenn wir uns mit der Zeit daran gewöhnt haben, ohne den geliebten Menschen zu sein, wird die Erinnerung von Liebe und Dankbarkeit getragen werden. Und wir können, wenn wir wollen, eine neue Beziehung aufbauen: Nun zu der Seele des geliebten Menschen.

Lektion 5
Wir sind am richtigen Ort.

Erneut eine schwierige Aufgabe für viele Ego. Warum? Das Ego sorgt sich um unser Auskommen und unser Wohlergehen. Und durchaus auch um unser Ansehen. Viele Egos lieben es, bewundert zu werden und als Sieger das Feld zu verlassen. Sie sind bestrebt, ihren Erfolg in materiellen Errungenschaften sichtbar werden zu lassen.

Am richtigen Ort zu sein, kann auch bedeuten, ein kleines Rädchen zu sein oder die starke Frau hinter einem erfolgreichen Mann. Oder ein Hausmann. Wie viele Künstler und Erfinder sind und waren ihrer Zeit voraus und ernten zu Lebzeiten keineswegs Lorbeeren. Eine für das Ego kaum erträgliche Situation. Für die Seele hingegen das Paradies. Für sie liebt es zu „sein“ und im Tun aufzugehen. Erfolg zu haben, ist kein Ziel der Seele.

Was macht mich glücklich?

Doch bin ich wirklich am „richtigen Ort“? Oder kann meine Lebensaufgabe auch darin bestehen, an den „richtigen Ort“ zu kommen? Die Frage ist, ob ich mich an dem Ort, an dem ich bin „wirklich“ wohlfühle. Oder ob es mich von dem Ort wegzieht. Und zwar auch dann noch, wenn ich jetzt weiß, dass ich am „richtigen Ort“ bin. Wenn ich mich erleichtert fühle und mich auf meine Aufgaben freue, dann hat mir mein Ego den Ort madig gemacht, weil es wenig oder gar keinen „Ruhm“ an diesem Ort zu ernten gab und gibt. Habe ich hingegen nach der Nachricht, dass ich am „richtigen Ort“ bin, ein beklemmendes Gefühl, ist das unter Garantie nicht der „richtige Ort“ für mich. Dann gilt es zu hinterfragen, was mich hindert, den Ort zu verlassen und mich an den Ort zu begeben, der sich aus Sicht meiner Seele stimmig anfühlt.

Ruhm & Erfolg?

Wenn es um Ruhm und Erfolg, um Anerkennung und Applaus geht, handelt es sich immer um die Bedürfnisse des Egos. Mit zunehmendem Alter macht uns der Weg des Egos nicht mehr glücklich. Wenn Glück und Frieden finden wollen, sollten wir daher zunehmend auf die Stimme unserer Seele hören.

Quelle

  • Mitch Albom: „Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen“ aus dem Goldmann Verlag

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